Korrekturen eines Mythos

Lesung von Su Tiqqun anläßlich des 30. Jahrestages der Gründung des Tacheles

„In den Folgejahren verschwand der “Sandstrand mit Ruine”. Er begrünte sich. Die Berliner Tageszeitungen machten sich darüber lustig. Der Skulpturenpark sei schon erholsam genug, rüffelte die taz vom 1.7.’94 und protestierte gegen die Errichtung eines Springbrunnenteiches inmitten eines Relax Art Gardens mit einem großem Q aus vernietetem Blech. Quo vadis? Wo soll das hinführen? “Vielleicht werden noch sanft geschwungene Parkbänkchen aufgestellt und die schroff amutenden Skulpturen … durch Gartenzwerge ersetzt.” 

Die Wurzeln der Primärpflanzen, die unterstützt mehreren Tonnen Erde das Erdreich besiedelten, juckte das nicht, die Grünfläche dehnte sich aus und spendierte die erste weiträumige Tresenlandschaft für Touristen mit den üblichen Folgen: Kampf um Schanklizenzen, Beiselwildwuchs, Dauerlärm, Müllzuwachs und Brachenverlust.”


12.02. / Mittwoch / 20 Uhr

Watt, Metzer Straße 9, 10405 Berlin

Abwärts! # 34

Mittwoch, 6.11.2019, 20 Uhr, WATT, Metzer Str.

Fünf Jahre hat die Zeitschrift Abwärts! gebraucht, um sich 33 Stufen tief ins Souterrain zu graben.

Mit der Nummer 34 beginnt die zweite Stufe der Vorarbeit: „Worstward Ho“ heißt es bei Samuel Beckett, „Weitermachen!“ bei Herbert Marcuse.

Es lesen Henryk Gericke, Bert Papenfuß, Emily Philippi, Kai Pohl, Max Zschorna.

Trivialer Testlauf

Das Literaturfestival in Prenzlauer Berg

von Freitag, den 15.11. bis Mittwoch, den 4.12.2019

PROTOKOLLSTRECKE X

Das Literaturfestival in Prenzlauer Berg geht in die zehnte Runde: mit Buchpremieren, Fanzines, Poesie und Musik an vier Orten (BAIZ, LUXUS, Montagsbar, WATT). Angeleckt, eingeschmiert, ausgeschwitzt  und aufgerieben von Rumbalotte Prenzlauer Berg Connection e.V. und der Epidemie der Künste Berlin.

PROGRAMM

Freitag, 15.11., 19 Uhr, BAIZ

ANGEWANDTE VERHÄLTNISSE

Kristin Schulz (Berlin) und Nicolaus Richter de Vroe (München)

Ein Konzertlesungsimprovisationsabend mit Gedichten und Tönen, gemischt aus diversen Klangquellen: „fazit (blutbad) / unter der drachenhaut / unberührbar unverletzlich / und ausgestorben“.

Montag, 18.11., 21 Uhr, MONTAGSBAR

DISTILLERY – ZWEI NEUERSCHEINUNGEN

Raja Lubinetzki: Der barfußne Tag

Florian Neuner: Ramsch

Florian Neuners Buch führt die Hörenden in eine Auf- oder Abwärtsspirale, während Raja Lubinetzkis Gedichte dort warten, um einen nicht abzuholen. Silka Teichert liest Raja Lubinetzki, Florian Neuner liest Florian Neuner.

Mittwoch, 20.11., 21 Uhr, WATT

GRENZPUNKT NULL – Live Radio Show:

SLOW BOAT TO CHINA oder 55 MEZCALS IN CUAUTLA

Eine Traum-Collage aus Poesie von Malcolm Lowry & Klängen von der versteckten See, präsentiert von der lebenden Repetiermaschine Rex Joswig.

Sonntag, 24.11., 21 Uhr, LUXUS

MEIN TASTAMENT – Buchpremiere

Prenzlauer Berg Collection, Vol. 5, Lesung mit Carola Göllner und Kai Pohl

Die Prenzlauer Berg Collection kredenzt zum Geburtstag ihr Tastament: „Pünktlich zum Artensterben werden die Gesten kleiner. Im Inneren der Null starten die Erben durch.“

Mittwoch, 27.11., 20 Uhr, WATT

LEGITIME FORMEN DER OHNMACHT

Andreas Hansen, Oliver Kohlmann

Ein Double Check der Systeme durch P(I)RART, Zeitschrift für die Versenkung (2009 ff.), und SAUFEN aktuell (2015 ff.). Beide Fanzines beleben den Untergrund – mal mehr, mal weniger, weil die Energien kreuz & quer durch den Tresenraum schwadronieren.

Donnerstag, 28.11., 20 Uhr, BAIZ

GRENZ/ÜBER/GÄNGE

Lesung: Uwe Ducke (MOL)

Musik: Alexander Krohn (Berlin)

Der Autor berichtet von Grenzübertretungen inkl. -verletzungen nach eigener Art. Alexander Krohn spielt Gitarre und singt. Die GRENZ/ÜBER/GÄNGE sind ihr zweiter gemeinsamer Auftritt.

Mittwoch, 4.12., 20 Uhr, WATT

BERLIN BLUES

Su Tiqqun und Bert Papenfuß lesen einen nachgelassenen Text von Norbert „Knofo“ Kröcher (1950-2016). „Die Gruppe plant ihren ersten Banküberfall. (…) Die Beute beträgt 130.000 DM. Ein Häufchen wird für die erste Schallplatte seiner Lieblingsband Freygang zurückgelegt, ein Häufchen für den Druck der Zeitschrift Fuzz und ein Häufchen natürlich für die ,Kaffeekasse‘.“

Veranstaltungsorte

BAIZ, Schönhauser Alle 26a, 10435 Berlin

LUXUS, Prenzlauer Allee 197, 10405 Berlin

Montagsbar, Fehrbelliner Straße 6, 10119 Berlin

WATT, Metzer Straße 9, 10405 Berlin

Für Hoffnung bleibt keine Zeit,

für diesen griechischen Abend AUF JEDEN FALL! 

Jazra Khaleed (Athen) trägt eine papierschlangenlange Litanei vor und zeigt den Kurzfilm Die Ägäis oder Das Arschloch des Todes. Jannis Poptrandov (Berlin), dessen Debüt Europa riecht nach Vollkommenheit vor drei Jahren in der hellenischen Metropole erschien, liest aus seinem deutschsprachigen Erstlingswerk. Oder, „um es mit Walter Benjamin zu sagen: Der Ausnahmezustand, in dem wir heute leben, ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel.“ (J. K.)

Mittwoch, 2. Oktober 2019, 20:00 Uhr

WATT, Metzer Str. 9, 10405 Berlin

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Muspilli Rökrökr Mashup

vinyl release concert

Donnerstag, 3. Oktober 2019, Ballhaus Berlin, Chausseestraße 102, 10115 Berlin

2018 montierte Bert Papenfuß den 1995 entstandenen Polit-Rap rökrökr und den 1999 geschriebenen Mahnruf muspilli spezial ohne ersichtlichen Grund zum Refrainmonstrum Muspilli Rökrökr Mashup, den er mit etlichen mehr oder weniger sachdienlichen Fußnoten versah, die versuchen, den Zeitgeist der Entstehungszeit beider Poeme plausibel zu machen, eigentlich aber nur die Komplexität der seit 1995 andauernden Problemlage vertiefen – und in gelungenen Passagen darüber hinausweisen, wenn auch in Richtungen, die nicht jedermanns Sache sind.
Papenfuß’ langjährige Kollaboranten der Bands Tarwater und Herbst in Peking vertonten den von Ines Burdow, Rex Joswig und Bert Papenfuß gelesenen Text, hörbar auf der SCHÄDELREIGEN genannten A-Seite des Doppelalbums. (Achtung, lesen Sie die Auslaufrillengravuren!) Die B-Seite ERDIGE NACHLESE füllt eine A-capella-Version des fast vollständigen Fußnotentextes, verlesen vom Ensemble Sockenschuß, bestehend aus den nämlichen der A-Seite, ergänzt um Jule Böwe, deren Stimme wenigstens ein bißchen Übersicht in die Willkür der Dramaturgie und Rollenverteilung bringt.
Die C-Seite NIEDERSCHLÄGE bietet Beifänge aus der laufenden Produktion des Berliner Duos !The Same mit Konsonantisen von Bert Papenfuß, dessen Stimme sich überschlägt und bricht, erstaunlicherweise wiederbelebt und selten normalisiert. Ein Vokalist ist er jedenfalls nicht. Bemerkenswert der Sprechgesang Die Werwölfe von Weißensee – der ebenso wie das plattdeutsch rezitierte Mernach, Späukentiet aus der neuen Reportagensammlung Abriß! von Papenfuß stammt –, bei dem Ann Cotten gryphisch mitwispert. Wußte sie, worauf sie sich da eingelassen hat?
Die abschließende D-Seite LACHENDE GREISE beginnt mit einem Brett des Duo Elektrokohle – i. e. Rex Joswig und Frank „Trötsch“ Tröger (1958-2015) – aus dem Jahre 1992, später umbenannt in Muspilli Jah War, diesmal mit Textzitaten garniert. Es dient als Intro zur stoischen Instrumental-Zen-Meditation Somnambul Doom der altvorderen (Künstler und) Musiker Bob Rutman (* 1931) und Zam Johnson; das letzte Wort behält jedoch Papenfuß, es lautet: „ihr wißt, was euch quält“ – und ist ein Zitat aus dem auf der NIEDERSCHLÄGE-Seite zu hörenden Im Tee ums Karree, und wird dort ergänzt durch die Formulierung: „äußerlich herrschaft / innerlich knechtschaft“. Dem ist nichts hinzuzufügen, jedenfalls nichts prinzipiell Kritokritisches.
Ausgestattet ist das Album mit einem vollständigen Textabdruck des Muspilli Rökrökr Mashup und einem Einleger, der sämtliche Fußnoten dazu enthält. Das Titelbild und andere Elemente der Artwork stammen von dem Maler und Tarwater-Musiker Ronald Lippok. Die Namen aller Mitwirkenden sind akribisch aufgeführt, dagegen ist nichts einzuwenden, auch wenn dies wahrscheinlich dazu dient, die Verantwortung für dieses Elaborat auf möglichst viele – vorgeblich sympathisierende – Schultern zu verteilen. Dank gilt den Mittäterinnen für die vergebliche Liebesmüh bei der Ausarbeitung sozialer Kenntlichkeit, speziell auch dem Ansinnen, einem Publikum, das gegen sich selbst verschworen ist, auf die Sprünge zu helfen.

Bella Blu – Buchpremiere

Am Montag, den 16. September 2019 um 21 Uhr in der Bar Luxus,
Prenzlauer Allee 197, 10405 Berlin:

Soeben erschien im Gutleut-Verlag die deutsche Übersetzung des Science-Fiction-Poems BELLA BLU von Terje Dragseth. Der norwegische Autor und seine Übersetzerinnen Tone Avenstroup und Bert Papenfuß geben sich außenbords die Ehre und einiges aus BELLA BLU zum besten.


TAG 282  Schiff fühlt sich steif und schwer an, wenn wir extreme Gravitation passieren. Katzen liegen mit halboffenen Augen in den Korridoren. Kein Geräusch, aber intensives Zittern im Rumpf. Das geometrische Mädchen tröstet den Hund mit selbstleuchtendem Fell.“


„TAG 273  Radioaktive Bewegung im Vakuum der Zwischenzeiten. Unbeschriebene Aktivität der Vergangenheit. Eine Rechenaufgabe: Was ist das? Was ist das, empört sich die Besatzung, und starrt in Handflächen. Ein Spiegel? Unter dem Zwischendeck nicht identifizierte Körper. Zwischen dünnen Metallwänden Blut. […]

Herein zum 1. Mai!

Watt, Metzer Str. 9, 20:30 Uhr • Rumbalotte – Prenzlauer Berg Connection e. V. präs.:


Release der Zeitschrift Abwärts!, Heft 31 

Carola Göllner liest aus „Dichter lieben anders“ von Darien Levani. Robert Mießner baut dazu einen südosteuropäischen Diwan.

Im Anschluß charakterisiert Su Tiqqun die Verwerfungsära zu Beginn der Neunziger im Kunsthaus Tacheles.

Karsten Wildanger gibt die „Station Pillgram“ von Gabriele Hänel zum Besten: „Man kann auch ohne Worte kleine Orgien feiern.“